Billing-Bau wird klimafreundliches Museum
Für lange Gespräch hat Ulrike Lorenz, Leiterin der Mannheimer Kunsthalle, in diesen Tagen keine Zeit, denn sie ist mit einer Großbaustelle konfrontiert. Derzeit wird der zwischen 1906 und 1907 erbaute Billing-Bau komplett saniert - für 20,5 Millionen Euro. Sie erklärt: "Das ist der erste Schritt zu einer umfassenden Neuentwicklung des gesamten Museumsensembles." Damit unterstreicht sie den Anspruch der Stadt, im Jahre 2020 Kulturhauptstadt zu werden. Die Stadt könne nicht zuletzt mit der Neugestaltung der Kunsthalle "in die erste Liga der städtischen Kunstmuseen in Deutschland vorstoßen und im kulturellen Wettstreit der Kommunen punkten", heißt es weiter.
Am Donnerstag dieser Woche wurde mit rund 200 geladenen Gästen Richtfest gefeiert. In den letzten Monaten wurde der Bau komplett entkernt und nun soll im kommenden Jahr das Jugendstilgebäude nicht nur in neuem Glanz erstrahlen, sondern erfüllt von 2013 an als eines von drei Häusern in Deutschland den Standard eines Niedrig-Energiemuseums. Lorenz sagt, dass dies die "erste wichtige Weichenstellung" für die Zukunft des renommierten Hauses sei. Es geht darum Räume zu schaffen, "in denen Kunst sich entfalten und unser Leben bereichern kann".
In der Kunsthalle zu bestaunen sind u.a. Spitzenwerken der Bildhauerkunst des 19. Jahrhunderts z.B. von Auguste Rodin, Edgar Degas, Honoré Daumier und Medardo Rosso. Daneben besitzt die Kunsthalle eine umfangreiche internationale Skulpturen-Sammlung des 20. Jahrhunderts mit Werken u.a. von Wilhelm Lehmbruck, Henry Moore, Max Ernst, Mario Merz und Richard Long. Diese Werke sollen in den neuen Räumen nun besser als bislang zur Geltung kommen.
Auf der Liste steht aber nicht nur die Kultur, sondern auch die Energieeffizienz. Durch die Sanierung und den Einsatz von neuester Technologien soll der Energieverbrauch des Museums deutlich gesenkt werden. Entwickelt wurde das Energiekonzept von Wissenschaftlern der TU Braunschweig und des Fraunhofer-Instituts. "Das generalsanierte Jugendstil-Gebäude wird zum Leuchtturmprojekt, an dem Bauherren in ganz Deutschland in der Zukunft studieren können, dass enorme Energieeinsparungen auch bei der Sanierung von denkmalgeschützten Museumsbauten möglich sind", ist sich Lorenz sicher.
Die neuen Räume werden mit Tageslicht beleuchtet, neu über Spiegelraster geführt und UV-gefiltert so kann der Einsatz von Kunstlicht verringert werden. Bei einem Museum ist eine besondere Klimatisierung erforderlich, die mit Fernwärme betrieben wird und Unterstützung durch Solaranlagen erfährt. Die Kunsthalle war mit diesem Konzept in den bundesweiten Forschungsverbund "Nachhaltige Sanierung von Museumsbauten" des Fraunhofer Instituts für Bauphysik aufgenommen.
Neben viel Arbeit steht in den kommenden Jahren ein weiteres Richtfest an. Der im Jahre 1983 fertiggestellte Erweiterungsbau der Mannheimer Kunsthalle, der auf einer Idee des Architekten Hans Mitzlaff basiert, wird abgerissen und bis 2017 durch ein komplett neues Gebäude ersetzt. Für diesen Neubau läuft derzeit ein internationaler Architektenwettbewerb. Die Kosten werden auf etwa 67 Millionen Euro geschätzt. Geplant ist, das Gebäude der Jugendstil-Architektur anzupassen, was auch die Bedingung für die Spende über 50 Millionen des Ehepaars Josephine und Hans-Werner Hector war.
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